Archiv: August 2013

Die Türkei erfreut sich als Reiseland, besonders in Deutschland, großer Beliebtheit. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass das Land für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Touristen, die vor allem Erholung am Strand suchen, finden insbesondere in der Gegend um Antalya und an der türkischen Ägäis beste Möglichkeiten. Der kulturgeschichtliche interessierte Reisende wird von den Ausgrabungsstätten von Troja und Ephesos begeistert sein. Wer jedoch das Feeling einer modernen Großstadt liebt, der wird in Istanbul und Ankara bestens bedient. Jedoch seit Mitte April finden insbesondere in Istanbul größere Unruhen statt. Viele Touristen stellen sich die Frage, kann ich ohne Gefahr in der Türkei Urlaub verbringen oder sollte ich das Land, genau wie Egypten, eher meiden.

Der Hintergrund der Unruhen ist ein Konflikt, der die gesamte türkische Gesellschaft durchzieht. Zum einen hat sich das Land gerade in den letzten Jahren zu einer modernen westlichen Industriegesellschaft entwickelt, zum anderen versucht die türkische Regierung unter Ministerpräsident Erdogan den Einfluss der islamischen Religion wieder zu verstärken. Damit einhergehend kommt es zu verstärkten Repressionen und Verboten gegenüber der Bevölkerung. Gerade die jungen, aufgeklärten Leute in den Großstädten, wollen sich dies jedoch nicht länger bieten lassen.

Auslöser der Proteste war die von Ministerpräsident Erdogan geplante Bebauung des Gezi-Parks in Istanbul. Anstelle der Grünanlagen soll die Topcu-Kaserne wiederaufgebaut und darin ein modernes Einkaufszentrum eingerichtet werden. Die Topcu-Kaserne war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Zentrum des Widerstandes gegen die Jungtürkische Revolution von Kemal Atatürk. Dieser wollte aus dem bis dahin rückständigen Osmanischen Reich einen modernen Staat westlicher Prägung errichten. Mit dem Wiederaufbau der Topcu-Kaserne will Erdogan ein politisches Zeichen setzten. Dieses Zeichen wurde verstanden und alsbald regte sich auch politischer Protest. Zunächst gab es Demonstrationen in Istanbul, andere türkische Großstädte folgten. Die Demonstrationen wurden mit teilweiser sehr harter Polizeigewalt niedergedrückt. Die Situation eskalierte und es gab Tote und Verletzte. In letzter Zeit scheint sich die Situation wieder etwas beruhigt zu haben.

Reisende, die ihren Urlaub in den Tourismuszentren in Antalya, der türkischen Ägäis oder bei den antiken Ausgrabungsstätten verbringen, werden nichts von dem Konflikt mitbekommen. Dagegen sollten Touristen, die Istanbul besuchen, vorsichtig sein, dass sie nicht zwischen die Fronten einer Demonstration geraten.